Drohne – Multicopter – UAV

Der Versuch einer Begriffsbestimmung

Die Modellbauwelt ist gespalten! Es ist eine tiefe Spaltung und wenn sich die unversöhnlich gegenüberstehenden Seiten nicht bald an einen Tisch setzen, dann haben wir einen „Glaubenskrieg“. Wovon ich rede? Wie immer bei solchen Sachen geht es um eine Kleinigkeit, es geht um DAS WORT. In diesem Falle darum, ob und wenn überhaupt wann man einen Multicopter als Drohne bezeichnen darf.

Drohne

Drohne A MQ-9 Reaper - U.S. Air Force photo by Paul Ridgeway

Drohne A MQ-9 Reaper – U.S. Air Force photo by Paul Ridgeway

„Der Drohn“, umgangssprachlich auch „die Drohne“, ist in der Biologie die männliche Biene, Wespe, Hummel oder Hornisse. Diese Männchen dienen ausschließlich zur Befruchtung der Königin, sie haben sonst keine Aufgabe. Nicht mal einen Stachel haben sie, sie sind also unbewaffnet. Dieser Umstand war es vermutlich, der es als passend erscheinen ließ, unbewaffnete und natürlich unbemannte Übungsziele beim Militär als Drohne zu bezeichnen. Zunächst wurde die Fernlenktechnik nur auf Flugzeuge zur Zieldarstellung bei Schießübungen verwendet, um die bis dahin verwendeten Schleppziele zu ersetzen. Erste Versuche hierzu gab es bereits in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Piloten der Schleppmaschinen befanden sich immerhin in der unangenehmen Lage nahe am Ziel zu operieren. Mit fortschreitender Technik wurden ferngelenkte Flugzeuge auch mit Kameras für Aufklärungszwecke ausgerüstet. Obwohl diese Drohnen schon eher Arbeitsbienen sind, wurde im allgemeinen Sprachgebrauch der Begriff „Drohne“ auch für unbemannte Aufklärungsflugzeuge beibehalten. Selbst für bewaffnete, unbemannte Luftfahrzeuge (Kampfdrohnen) wird der Begriff, der sich von der ursprünglichen Wortherkunft inzwischen abgekoppelt hat, weiter verwendet. In den letzten Jahren werden nicht nur Flugzeuge, sondern auch vermehrt Multicopter als kleine wendige Drohnen mit begrenztem Aktionsradius eingesetzt. Der Preisverfall bei den technischen Komponenten hat darüber hinaus dazu geführt, dass Drohnen nicht nur militärisch, sondern auch bei Polizei, Feuerwehr, technischen Dienstleistern und in jüngster Zeit auch bei Hobbyisten Verwendung finden.

Multicopter

Bezeichnungen der Verschiedenen Multicopter

Bezeichnungen der Verschiedenen Multicopter

Als Multicopter bezeichnet man eine Variante des Hubschraubers mit mehreren Rotoren. Zu Beginn der Hubschrauber-Entwicklung, bevor sich die Technik mit Haupt und Heckrotor, sowie die zyklische Blattverstellung mittels Taumelscheibe durchsetzten, wurden auch manntragende Mutlicopter entwickelt. Das Oehmichen No. 2 z.B. war ein manntragender Quadrocopter (4 Rotoren in +Konfiguration) der bereits 1922 seinen Erstflug absolvierte. In den letzten Jahren hat die Verfügbarkeit von preiswerten, leichten und sehr zuverlässigen Elektronik-Komponenten der Entwicklung der mechanisch einfachen Multicopter neuen Auftrieb verliehen. Obwohl mit Hilfe eines beweglich aufgehängten Motors auch Multicopter mit 3 Rotoren (Tricopter) möglich sind, setzt sich die Bauform mit 4 Rotoren als technisch einfachste Form immer mehr durch. Systeme mit 6, 8 oder gar 12 Rotoren sind seltener.

UAV

Unabhängig davon, ob ein unbemanntes Luftfahrzeug nun als Flugzeug, Hubschrauber in klassischer Auslegung mit Haupt- und Heckrotor oder als Multicopter ausgelegt ist, das vermehrte Auftreten unbemannter Luftfahrtgeräte in privater Hand erforderte auch deren luftrechtliche Betrachtung. Im deutschen Luftrecht erfolgt die Abgrenzung von UAV (Unmanned Aerial Vehicle) zu Modellflugzeugen über den Einsatzzweck. Während Modellflug der Definition nach ausschließlich zum Zwecke der Freizeitgestaltung bzw. des Hobbys erfolgt, ist ein unbemanntes Fluggerät immer dann ein UAV, wenn der Einsatz zu beruflichen Zwecken erfolgt. Ein Landwirt beispielsweise, der seine Felder mit einer GoPro unter einem RTF Flugzeug aufnimmt, um den Zustand seiner Ernte zu begutachten, betreibt ein UAV und muss die entsprechenden luftrechtlichen Bestimmungen einhalten. Neben der Abkürzung UAV sind auch die Abkürzungen UAD (Unmanned Aerial Device) oder UAS (Unmanned Aircraft System) üblich. Im Sprachgebrauch hat sich der Begriff „Drohne“ für all diese Luftfahrzeuge dagegen wohl inzwischen durchgesetzt.

Modellbau

Eigenbau Quadrocopter - Foto © Ints (Fotolia)

Eigenbau Quadrocopter – Foto © Ints (Fotolia)

Per Definition ist ein Modell ein beschränktes Abbild der Wirklichkeit. Dabei haben sich die Modellbauer gerade im Flugmodellbau nicht immer darauf beschränkt, die Wirklichkeit nach einem Vorbild nachzubilden. Oft haben sie die Entwicklung vorangetrieben, indem sie Techniken im Modell erprobt haben, die später im „Großen“ (nach)gebaut wurden. Der Flugmodellbau erlebt zur Zeit (Jan 2016) einen Boom der Multicopter. Hierbei sind es verschiedene Richtungen die sich aktuell entwickeln. Bereits seit 2014 verbreiten sich sogenannte Race Copter (Racing Quads). Das sind rund 25 cm große, mit einer Kamera ausgestattete Quadrocopter, die auf eine hohe Fluggeschwindigkeit und Crashresistenz ausgelegt sind. Mit diesen Fluggeräten werden Rennen um Hindernisse geflogen. Der „Pilot“ sieht dabei nur das Bild der Bordkamera über eine Videobrille (FPV = First Person View).  Ein anderer Teilbereich ist die Entwicklung kunstflugtauglicher Multicopter. Um eine dem Modellhubschrauber ähnliche Kunstflugfähigkeit zu erreichen, werden entweder umsteuerbare Motoren oder Luftschrauben mit verstellbaren Blättern verwendet. Modellbauer steigen oft tief in die Technik ein. Eine korrekte Begrifflichkeit ist wichtig, um die verschiedenen technischen Lösungen voneinander abzugrenzen. Modellbauer die sich intensiv mit der Multicoptertechnik auseinandersetzen bestehen daher meist auf die Verwendung der Fachbegriffe für die einzelnen Konzepte. Während der Laie von einer Fernsteuerung redet, unterscheidet der Modellbauer Komponenten wie Sender, Empfänger, Servos, Drehzahlsteller, etc. So wird sich der Erbauer eines Racers oder 3D Copters sträuben sein Modell als „Drohne“ zu bezeichnen – womit er wohl auch Recht hat. Was aber, wenn es Ihm mehr um die maßstäbliche Nachbildung eines Originals geht?

Spielzeug

ZUGO hobbyzoneÄhnlich wie im Modellbau geht es im Spiel oft um die Abbildung der Wirklichkeit. Spiel kommt dabei jedoch mit weitaus einfacheren Mitteln aus, auch wenn die Abgrenzung zwischen einem ferngesteuerten Spielzeugauto und einem RC-Modell kaum möglich ist und die Grenzen fließend sind. Im Spiel ist ein Auto auch dann ein Auto, wenn es noch nicht einmal selbst fahren kann. Eine Salatschüssel kann zum Helm, oder zum Schlagzeug werden. Und ein winziger ferngesteuerter Quadrocopter kann natürlich – auch wenn eine echte Kamera fehlt – eine Drohne sein. Tatsächlich hat sich der Begriff „Drohne“ im Bereich des Spielzeuges für alles was mehrere
Rotoren hat durchgesetzt. Die Belehrung, das neue Spielzeug sei gar keine Drohne sondern ein Quadrocopter, ist ungefähr so sinnvoll, wie die Aufklärung darüber, dass das neue Polizeiauto welches der Weihnachtsmann gebracht hat doch als Modell eines Passat B4 in Behördenausstattung mit RKLE zu bezeichnen sei.

Video und Foto

Kleine erschwingliche Aufklärungsdrohnen – insbesondere wenn es sich dabei um Multicopter handelt, die auf wenigen Quadratmetern operieren können – eignen sich nicht nur für professionelle Foto- und Videoaufnahmen, sondern auch dazu Erinnerungsvideos für die Familie aufzunehmen. Die verfeinerte Technik macht es möglich, dass selbst Technik-Laien die sonst nur mit dem Smartphone fotografieren, erfolgreiche Luftaufnahmen von epischer Qualität hinbekommen. 2015 ist der Preis für einen 500er Quadrocopter mit Full HD Kamera und Bild-Funktstrecke erstmals unter die 1.000,- € Marke gesunken. Man kann getrost davon ausgehen, dass in weniger als 2 Jahren eine ähnliche Ausstattung für rund 250,- € zu haben sein wird. Ein Preis, der die Luftbildgeräte endgültig in den Massenmarkt katapultieren wird. Ein Markt, der nicht danach fragt, welcher Chipsatz verbaut ist und wie die Regelung der Motoren erfolgt. Ein Markt, der auch nicht zwischen Quadrocopter und Hexacopter unterscheidet. Und es ist wohl auch ein Markt, der den Begriff „Drohne“ bereits übernommen hat. Da Flugzeuge und Hubschrauber als Trägersysteme kaum in Frage kommen, ist auch hier „Drohne“ zum Synonym für einen Multicopter geworden.

Quatrocopter oder doch Drohne

Ob Zieldarstellung, Aufklärung oder Kampfeinsatz – „Drohne“ war nie ein offizieller Begriff, sondern immer Umgangssprache. In weiten Bereichen des Sprachgebrauches hat sich der Begriff „Drohne“ auch für Multicopter längst durchgesetzt. HEMPEL Modellflugwelt beobachtet die Benutzung der Begriffe „Multicopter“, „Quad(ro)copter“ und „Drohne“ seit langem, da die Frage des richtigen Begriffes für uns als Fachhändler insbesondere bei der Suche in Google wichtig ist. Im Jahr 2013 haben wir deshalb alle Multicopter und auch die Hexacopter – zunächst sehr widerstrebend – aus der Abteilung Hubschrauber in die Kategorie Quadrocopter eingeordnet. Anfang 2015 mussten wir erkennen, dass dies nicht mehr dem Sprachgebrauch des größten Teils unserer Kunden entspricht. Mit großer Skepsis haben wir uns deshalb zu dem Schritt entschlossen die Kategorie in „Drohnen“ umzubenennen und das Wort „Drohne“ immer dann zu verwenden, wenn es im Kontext um Spiel, Fotografie, Video oder Modellbau-Einsteiger steht. Geht es um die genaue Bezeichnung der Technik verwenden wir in Abgrenzung zu Flugzeugen und Hubschraubern das Wort Multicopter – bei Bedarf auch die genaue Bezeichnung auf die Anzahl der Rotoren oder den Anwendungszweck bezogen.

Titelbild © Alexander Kolomietz

Ein Gedanke zu „Drohne – Multicopter – UAV

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    5. März 2016 um 8:58
    Permalink

    Ich bin sehr dafür, den Ausdruck „Drohne“ trotz allem konsequent zu meiden, da er doch einen allzu negativen, weil militärischen und gefährlichen Anstrich hat. Und gerade die Umbenennung der Kategorien in Drohne ist Denjenigen, die sich nicht sicher sind, was denn nun richtig ist, ein Fingerzeig in die falsche Richtung. Ich persönlich quassele mir sehr gern jeden Tag dreimal den Mund dafür fusselig, und in der regel ernte ich Zustimmung und ein Dankeschön für die Aufklärung.

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